Wer erzählte mir doch gleich, Peter Handke habe keinen Führerschein, da er es satt gewesen sei, auch nur ein einziges weiteres Mal im Leben geprüft zu werden? Eine Antwort, die sich wie von selbst versteht. Wer zum Teufel sind diejenigen, die davon ausgehen, sie müßten, sie dürften, sie könnten uns prüfen? Wieviel Anmaßung darin steckt. Das gesellschaftliche Leben besteht aus zehntausend und mehr Barrieren. Freie Fahrt für freie Bürger auf den Autobahnen des Todes nur für geprüfte Rennteilnehmer. Eintrittsgelder, Karten und Pässe, Codes und ‚Ihre Persönliche Identifikationsnummer‘. Permanente Selektion in klassenloser Gesellschaft. Alle wollen nach Backstage, wo die bessere Party stattfindet. Wichtig sein oder auch bloß scheinen. Zugang besitzen, dazugehören, erwählt und beleuchtet. Wissen ist Macht, Information ist Vorsprung.
In Klagenfurt die jungen oder jüngeren Autoren beim Wettlesen. Das Publikum, die Jury, das Studio, die Kameras. Literatur live. Jugend liest für das deutsche Dreiländereck, es gibt Preise für die Besten. Die Autoren präsentieren sich der Öffentlichkeit, den Verlegern und Kritikern. Leistungsschau und Messe. Doch liegt Klagenfurt für immer abseits des Olymp. Das Streberhafte hängt der Veranstaltung als das Eigentliche an. Da schnipsen kleine Schüler gleich welchen Alters mit den Fingern und möchten gute Noten bekommen. Dieses Streberhafte ist der deutschen Literatur eigen, doch seit wann? Es gab ein paar, die Widerstand leisteten, doch auch ihre Namen verblassen. Vielleicht waren sie ebenfalls Streber, nur anders eingefärbt. Keine innere Freiheit. Es wird ängstlich geschielt, ob das, was man da verzapft hat, auch ankommt, ob erkannt wird, wie gut das konstruiert ist. Was haben wir doch für kluge Kinder, freuen sich alle. Zum Abschied kriegt jeder eine Kerze, in die man hineinsprechen kann.
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