Die Tour der Gladiatoren

Das letzte Wochenende ist schuld, der faule heiße Nachmittag vor einem Fernseher mit der Live-Übertragung der zweiten Etappe der Tour de France. Diese Krieger auf ihren Maschinen, schmale Brustkörbe, sehnige Arme, muskulöse Beine, hagere Gesichter, gezeichnet von den Strapazen abartiger Anstiege und endloser Strecken im Kampf des Willens zur Macht gegen den Schweinehund gemeiner Behaglichkeit. Denkt hier wirklich jemand, wir erbringen diese Leistungen dadurch, daß wir viel Mineralwasser zu uns nehmen? Dopingtour. Das große Spektakel, die Fahrer leisten Ungeheuerliches unter Aufbietung aller erschlossenen Reserven. Gestern die Wand von Huy, 19 Prozent Steigung nach 159 Kilometern. Die Beine schwer, das Herz rast, die Lunge schmerzt, die Muskeln wie kurz vorm Zerreißen. Aber beißen, beißen, beißen. Hoch oben das Ziel, die Punkte, das Geld, der Ruhm. Tot umfallen im Ziel, nicht vorher. Das ist die Tour, sie ist Tortur. Wir vorm Fernseher, sofern wir Staunen und Gruseln nicht verwechseln. Es muß und es wird Tote geben.


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