Sun Kil Moon ist meine Begleitmusik, Stücke von Ghosts of the Great Highway. Leise läuft das nebenbei, ich schwinge mit, unmerklich spielt das in die Sätze, jedenfalls die Gedanken und Gefühle. Ich könnte Gedanke niemals ohne Gefühl erwähnen, denn sie gehören zusammen, und ich gedenke jener wohlmeinenden Idioten der vergangenen Welten und Zeiten, die diese beiden Liebenden und Brauchenden modellhaft trennen wollten, weil sie annahmen, solches führe aus der Irre menschlichen Irrtums hinaus und dem Licht besseren Verstehens zu. Ich weiß meistens nicht, ob ich fühle oder nicht vielmehr denke – ob ich denke und nicht vielmehr fühle. Ich kenne Menschen (und ich mag sie), die sind irrsinnig stolz darauf, recht gut denken zu können. Und doch erkenne ich die Gefühle hinter ihrem Denken und erfreue mich dessen, denn es sind gute Gefühle über die Menschen und die Welt und all die vielen Dinge und Lebewesen, mit denen wir (die Menschen) zu tun haben. Kein Makel, wie es im I Ging heißt. Ich kenne andere Menschen, die hören meist auf ihr Gefühl und mißtrauen dem Denken und schaffen damit eine Opposition, die es nicht gibt. Sie halten ihre Gefühle für ein Absolutes, das Richtung, Ziel und Weg bestimmen kann. Sie könnten wissen, daß zu jedem Gefühl ein Gegengefühl existiert, exakt auf die Weise, wie zu jedem Gedanken ein sinnvoller Gegengedanke existiert. Haben wir so sehr gelernt, gegeneinander auszuspielen, daß wir es nun nicht mehr lassen können? Keineswegs ziele ich mit dieser Aussage ins Gelände verwirrender Dialektik. Und doch hilft es, sich ab und an in Erinnerung zu rufen, daß wir driften und notfalls und jeweils improvisiert navigieren. Kaum mehr. Wir sind lediglich zweckhaft orientiert. Immerhin. Leider kaum mehr. Daher die echte Demut, die noch einen jeden auszeichnet, den ich kenne. Alle wissen, daß sie sich etwas zurechtlegen. Alle wissen, daß es nicht Bestimmung des Tiefen und Wahren sein kann, zugriffs- und aufrufbereit zu liegen. Hunde tun das, Soldaten müssen das – auf Kommando erscheinen. Verborgenes zieht sich zurück, wenn Licht blendet und scheint. Wahres wird falsch, wenn es gekannt und benannt wird und alle es sagen und deshalb keiner versteht. Dies hinterher wie ein Song, der sich nicht fügt, aber trotzdem aufs Album gehört.
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