Dichter können gar nicht mehr fort

Dichter in Bronze gegossen auf freien Plätzen. Sie sitzen starr, dann wird es Winter und sie frieren. Ich halte das für keine gute Idee. Bertolt Brecht auf seinem Hocker vor dem Berliner Ensemble, Michail Bulgakow auf einer Bank vor dem Bulgakow-Haus in Kiew, die Arme vor der Brust verschränkt, hat das rechte Bein übergeschlagen. Fernando Pessoa an einem Kaffeehaustisch in Lissabon, wartet auf Bedienung, hat das linke Bein übergeschlagen. Fjodor Dostojewski vor dem Kongreßzentrum Dresden, auf einem Podest mit steinernem Bänkchen, mag dort auch nicht sitzen, ist auf dem Sprung. Thomas Mann steht. Er gibt seinem Hund Anweisungen in Gmund am Tegernsee. Nietzsche muß in Naumburg sitzen bleiben und einem Mädchen in kurzem Rock erklären, weshalb er Denkmäler verabscheut und keines benötigt, um zu denken. Schreiben geschieht im Sitzen, Denken im Gehen, Befehle geben im Stehen.


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