Nachrichten vom Zornigen

„Wetterexperten warnen vor Dauerregen und Eiseskälte“, Schlagzeilenprosa des heutigen Tages. Ja, es regnet, kühl mag es ebenfalls sein. Doch kühl ist nicht kalt, wir schreiben Februar und der Frühling bleibt noch etwas entfernt. Das sagen auch die Meteorologen, die keineswegs warnen, sondern lediglich hinweisen. Wetter ist ein emotionales Thema. Nichts betrifft uns gemeinschaftstäglich stärker, es sei denn echte Not bräche aus und das Wetter besorgte lediglich die Umrahmung der kargen Tage. Und wieder fällt der Regen, nadelfein und ausdauernd, macht Geräusche auf der äußeren Fensterbank. Ich lese im Vorabdruck Peter Handkes Aufzeichnungen aus dem letzten Jahr, die unter dem Titel Vor der Baumschattenwand nachts nächstens erscheinen werden. Sie unterscheiden sich in nichts von jenen älteren, die ich früher einmal las: Das Gewicht der Welt (1977) oder Die Geschichte des Bleistifts (1982). Handke bleibt der Lehrmeister seiner selbst, der sich die Welt in ihren Erscheinungen zeigt und erklärt. Das Poltern gegen die anderen, die zu laut oder dumm sind, um angemessen zu sprechen oder sich zu benehmen, könnte er sich sparen, wenngleich ich ahne, wie groß sein Zorn ist. Nur daß dieser Zorn nirgend wohin führen kann und rein gar nichts bewirkt. Bestenfalls schafft er Erleichterung, nicht jedoch beim Leser, der sich für den Autor schämt. Handke ist von Anbeginn ein Rasender, ein Jähzorniger, der sich den Lehren der Stille, der Kontemplation und Meditation unterzieht, um nicht zu explodieren und gewalttätig zu werden. Er nimmt das Geschwätz zu wichtig. Das ist allerdings ein sehr menschlicher Zug, ist fast schon Anteilnahme.


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