Ein Ende der Zeit

Eine sah ich, die wußte, sie würde sterben. Sie lebte in der Frist und genoß nun jeden Augenblick. Sie aß sich sinnlich satt. Sie sog Leben aus allem, was pochte und trotzte, lachte und sprach. Sie war gieriger Abschied. Sie schied hin und verbarg es. Niemals sah ich einen aufmerksameren Menschen. Sie versah ihren Dienst, sie half so gern dem gegenwärtigen und zukünftigen Leben. Sollten die jungen Leute feiern, reden, trinken, lachen, diskutieren. Sie war dafür, sie hielt ihnen allen den Rücken frei. Sie wußte sehr genau, daß es das ist, was zu tun übrig bleibt, wenn man geht. Nicht deshalb geht, weil es vorzuziehen ist zu gehen, sondern weil es zuende geht. Das Leben wie ein Traum, wie ein Interregnum der Verrücktheit angesichts des Absoluten, das äußerste Kälte sein mag oder wärmste Geborgenheit vor der Abtrennung all des Einzelnen, das zu sein wir verurteilt sind, bis es uns heimholt, einsammelt, kassiert. Ich sah, daß sie auf eine schwer zu erklärende Weise glücklich war. Noch nicht gestillt, doch nahezu glücklich.


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