Allgemein
Sternenhimmel
Vorfreude 3
Nichts wiegt schwerer als das Nichts
Hier ist es schwer, ernst, wichtig. Bürgerliche rackern sich ab in Werten und Sekundärtugenden. An den primären muß geforscht werden, vermutlich beruhen sie auf Vorurteilen oder Metaphysik. Eine halbe Minute zu spät kostet den Kopf. Selbst Hunden ergeht es besser. Das Abhetzen wirkt ins Ästhetische, es dominiert die wetterfeste Allzweckkleidung in Signalfarben, um die Musen zu warnen: Nicht hier, zieht bloß weiter. In der Sonderzone des Praktischen und Praktizierbaren glaubt man, woran nicht eigens geglaubt werden müßte: ans Selbstverständliche. Die Dinge und die Verhältnisse und die Menschen sind lediglich sie selbst, nichts anderes mehr. Der Sinn der Bedeutungen ist eliminiert, die Beiklänge sind ausgelöscht, die Hohenflüge unterbunden. Jemand entschlüsselt den Code, jetzt steht geschrieben, wer ich bin. Existenz kann einfach sein. Geschichtlich betrachtet waren sie zurück, eine Spur zu dumm, zu kompliziert. Der schlingernde Pfad der Moderne kommt technologisch auf Zielkurs. Die Kennwerte sind da. Es wird leicht, wenn nichts stört. Fortan ist alles möglich. Man könnte springen.
Trockene Blätter
Reisen ist eine verstörende Erfahrung. Sie sorgt dafür, daß ich nicht zurück bin. Demnächst werde ich eintreffen. Was dann geschieht. Zu vermuten ist, daß ich tanze oder mit dem Kopf eine Bewegung hin und her mache. Man wird das für eine Marotte halten, notfalls für eine Tic-Störung. Selbst die hätte ich mir verdient. Dem Sommer soll man nicht nachtrauern, der kommt nächstes Jahr wieder.
Zugegeben wenig
Was läßt sich sagen am Ende eines langen Arbeitstages? Morgen ist auch noch ein Tag. Als würden neuerdings die Tage knapp. Schöne Träume noch. Noch und nöcher. Die Adverbien sind benutzte Biester. Immer öfter erscheinen im Traum wirkliche Menschen. Überraschend tauchen sie dort auf. Neugierig gehe ich zu Bett. Den Geheimnissen des Lebens auf nicht endender Spur. Einst werde ich mich dumm und dämlich verdienen. Das stimmt ebenso heiter wie traurig. Vielleicht hätte ich es früher gebraucht, mag sein. Doch was weiß ich schon?
Get yourself a life
Ich weiß, daß die Welt ein Garten ist
Blumen umgetopft, Flammendes Käthchen, ein Dickblattgewächs. Zuviel Wasser sorgt für Staunässe, die Pflanze wirft aus Protest ihre Blätter ab. Während der Ferien habe ich sie vorversorgen wollen, das ging schief. Ansonsten ist die Pflanze robust. Ihre Blüten haben mir durch den letzten Winter geholfen. Noch bin ich weit entfernt von jenem Grünen Daumen, den ich einst hatte. Zwischenzeitlich verdorrte ich und mit mir die Pflanzen. Daß ich es seit wenigen Jahren erneut mit den Pflanzen aufnehme, rechne ich mir an. Ich weiß, daß die Welt ein Garten ist.
Fundstück
„Hab‘ mein kleines Gesicht kaum erkannt“
Die Verhältnisse treiben in die Enge. Sie tun das solange, bis man unter sich ist. Selbstgespräch der Überzeugten. Ist es nicht schön hier? Solch äußere Enge korrespondiert der inneren. Gedanken bleiben ausgesperrt, sie sorgen für Ungemach. Warum grüßt der Nachbar so schräg? Beziehungen werden mürbe, niemand schwimmt sonderlich weit hinaus. Ein bißchen Wind, schon ist Sturmwarnung. Blick in die saubere Badewanne: Wir sind besetzt und umstellt von Göttern. Sie sind die Leit- und Führungsgrößen des individuellen und kollektiven Lebens. Die Badewanne ist zu kurz für einen Erwachsenen, man kann einen Hund darin abduschen. Der Morgen hat gut begonnen, ich habe die Fäden langgezogen, an denen mein Denken hängt, auch genug vom Angstkuscheln.