Uhu

Als wir alle strauchelten, stammelten und uns die Gläser aus den Händen fielen. Als wir grundlos in hysterisches Lachen ausbrachen. Als wir überhaupt so viel lachten, daß der Bauch schmerzte und wir nach Luft schnappten. Als die Welt noch riesengroß war und weit wie ein Geheimnis. Als wir dachten, sie gehöre uns demnächst und damit allein schon würde es besser. Denn wir würden nicht lügen, uns nicht nach dem Gelde bücken, nicht in diesen feigen Eigenheimen verschwinden, wo es sauber war, daß man allergisch wurde. Denn mit uns würde etwas Neues einziehen, das rein war und klar wie ein Gebirgsbach oder ein unverkäuflicher Diamant. Als die Welt schmerzte vor Schönheit und jeder ein Dichter war. Denn wohin sich retten vor diesem Andrang an Farbe und Licht – das mußte doch übersetzt werden. Und die tiefen Gespräche, funkelnde Nächte, Wege durch den Mondwald. Daß man schlafen mußte, daß man schlafen konnte, angesichts dieser Pracht. (Einmal ein Uhu im Gleitflug dicht über dem Kopf. Ein leiser Hauch, die mächtigen Schwingen, ein Schatten, schon weg.) Freundschaft war heilig. Wurde einer zum Verräter, schied er aus. Daß man etwas lernen mußte und werden sollte, war schwer zu begreifen. Man war bereits und lernte auch gut, nur an besserer Stelle. Es war an uns, für sie Verständnis aufzubringen. Sonst hätten wir sie erschlagen.


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