Es sind die kostbarsten Stunden, wenn man bei sich ist. Die Schrift geht über das Papier wie ein leiser Sommerwind, der auch nichts zurückläßt außer der Erinnerung daran, daß er gewesen. Die Gedankenbilder bleiben nahe am Körper. Alle Organe fühlen sich wohl und bestens aufgehoben im Umkreis des Herzens. Nichts lastet, drückt, quengelt oder möchte fliehen. Der Blick geht durch den Raum und haftet kurz an Gegenständen. Was sich angesammelt hat in den Jahren. Dort liegt ein Zettel, auf dem steht: die vorauseilende Kapitulation. Klingt etwas geschwollen, doch ich weiß noch genau, welchen Gedanken ich festhalten wollte. Diesen nämlich:
Man unterläßt etwas, da man weiß, daß es schiefgehen könnte. Am liebsten würde man es tun. Es müßte getan werden. Aus Furcht davor, daß man damit scheitern könnte, tut man es nicht. – Damit siegt der Tod, hatte ich gedacht, als ich das notierte. Denn das Leben besteht aus lauter Momenten, deren Flucht der Tod ist. Alles mündet in den Tod. Folge ich der Logik der vorauseilenden Kapitulation, sollte ich gar nicht erst leben, da das Leben auf den Tod zuschippert, und zwar todsicher. Folge ich dieser Todeslogik, werde ich nicht beginnen und nichts ausführen und stattdessen dasitzen und mich vor meiner Zukunft fürchten, die der Tod ist. Damit aber bin ich jetzt bereits tot, jedenfalls so gut wie tot. Das ist nicht schwer zu verstehen, doch jeder Gedanke hat seinen eigenen Weg und seine eigene Geschichte, eher er uns erreicht.
Derweil schwirrt hier etwas durch den Raum. Ein Insekt, ein Frühbote des nach und nach eintrudelnden Lebens. In wenigen Wochen – nur Geduld – sind sie alle wieder da. Leben war auch im Winter. Nur etwas versteckter und weniger laut. Dieser Brummer hier ist mächtig laut.
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