Wieder und wieder

So schlecht kann unsere Zeit nicht sein, wenn so viel gute Musik geschrieben und gespielt wird. Gerade entdecke ich Lord Huron aus Los Angeles. Sie haben sich nach dem Huronsee benannt, wo der Sänger aufwuchs und am Lagerfeuer saß und zur Gitarre sang. Was Lagerfeuer doch ausrichten, von den großen Seen zu schweigen. Landschaften, die sich in die Seele „einschreiben“ (wie das die Germanisten nennen). Ihr Album heißt Lonesome Dreams. Romantiker, was sonst. Ironisch gebrochen, wir leben im Jahr 2015. In der Kommentarspalte unter einem der im Netz zugänglichen Songs schreibt einer, er habe auf dem Appalachian Trail die Songs von Lord Huron gehört.

Das trägt in die Ferne, schon reist man mit. Wie damals als Kind: Finger auf der Landkarte. Farben, Formen, Land. Flüsse und das Meer. Orte und Namen. Das löste etwas aus, lag lockend in der Ferne und wartete auf Entdeckung. Jeder ist jederzeit Entdecker. Wen interessiert es, ob ein anderer vorher dort war? Was macht es aus, daß jemand vor dir über den Himmel oder den Wind geschrieben hat? Alles sei bereits gesagt, heißt es. Ich verstehe diese Aussage nicht, so sehr ich mich mühe. Es darf sich doch jeder selbst die Welt aneignen mit Blicken, Gedanken und Worten. Wir möchten sprechen, haben eine Stimme – sprechen wir also. Überall diese elenden Vorschriftenmacher. Mitunter mögen sie klug und gebildet sein, doch irgendwo fehlt es ihnen. Schnell zurück zu den Seen, dem Feuer und der Musik. Sagt der Wind: Alles schon geweht. Und läßt es.


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