Wir bleiben draußen

Gutes Gespräch mit Freunden darüber, ob der Leser in einen Text hinein darf. Ob man ihn einlädt, ob man ihn läßt. Der Text demnach eine Art Haus oder Garten, jedenfalls ein Raum, der Bewegungen erlaubt, ja hervorruft. Ein Raum, in dem der Leser sich entfalten kann mit allem, was mitgebracht werden mag oder vonnöten ist. Schreibt der Autor „Tisch“, ist der Tisch des Lesers willkommen, schreibt er „Gruppe sich langweilender Jugendlicher“, sind alle Gastbilder recht, die mit diesen vier Wörtern harmonieren. Es gibt jedoch (Autoren und) Texte, die verschließen sich, die zeigen Leinwand, die führen fertig vor. Da ist nichts mehr den Zufällen freier Gastlichkeit überlassen. Da erlaubt der Worte- und Bildermacher keine Ko-Produktion ihm fremden Bewußtseins, da möchte er die totale Kontrolle und alles zeigen und nur so, wie er es sieht. Das sind die Realisten und Utopisten und all jene, die sich auf ihre eigene Einbildung viel einbilden. Ästheten sind extrem anfällig, sofern sie dekorativ denken und fühlen. Die Farbe der Hortensie entscheidet über Wohl und Wehe einer Szene. Überempfindlichkeit und Pedanterie. Karl May und Joris-Karl Huysmans. Elitärer Dünkel und Unabkömmlichkeitswahn. Chefkrankheit. Man kann nicht delegieren. Wir Leser sollen sie bewundern, zu ihnen aufblicken, ihr Genie der Ausgestaltung bis ins Kleinste bestaunen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das aber bedeutet, ohne Vertrauen zu sein. Es wird kalt dort draußen vor dem Text.


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