Freier Stand

Schüchtern ist ein Wort, das mir durch den Kopf kreist wie eine kleine Modelleisenbahn. Schüchtern sind die Feinen, schüchtern sind auch die Ungewissen. Die nicht wissen, wie sie wirken. Schüchtern sind auch jene, die einmal recht weit draußen waren und nun mit einem Mal mittendrin stehen. Füße dort unten, die Hände nahebei, jedoch fremd, Worten nachstaunend, die dem eigenen Mund entstammen mögen. Niemand fühlt sich verantwortlich für sie, demnach nimmt man sich ihrer an. (Dies dank Rilke, wir hätten es sonst nicht bemerkt.) Verwaist wie eingeschleuste Kinder im Garten der bekannten Eigenheiten. Traurig schön wie alles Wesentliche der letzten zweihundert Jahre unseres Bewußtseins. Das liegt in Bereitschaft, nicht einmal besänftigt, allenfalls erschöpft von Zitaten. Der hohe Sinn? Der Freiherr lächelt, wir kennen seinen Namen. Die Jüngeren lernen ihn soeben. „Wo keine Götter sind, walten Gespenster.“ Das geht lange nach.


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