Die Sprache der Schuhe, die Stimmen der Schritte

In der großen Tempelhalle des Untergrundbahnhofs Hermannplatz hingen bis vor kurzem die großen Photoportraits benutzter und individuell gestalteter Converse-Turnschuhe, der Chuck Taylor All Stars. Die prominenten Träger des jeweils abgebildeten Paares hatten ihre Unterschrift gegeben, für Andy Warhol ließ man unterzeichnen. Seine Schuhe (Aufschrift: Sin Accepted) sahen reichlich unbenutzt aus, doch sicher ekelte er sich auch vor Straßenschmutz. Die Gruppenausstellung trug den Titel Made By You. Patti Smith‘ Paar wirkte zerpflückt und erledigt von gutem Gebrauch. Beim Schnürband des rechten Schuhs mußte improvisiert werden.

Die Halle ist ohne die Paare unversehens leer und traurig. Das liegt daran, daß ich nun nicht mehr die tausend Schritte derer höre, die auf leisen Sohlen durchs Leben pirschen auf der Jagd nach Ruhm und Ehre. Eine Vorstellung, die mich einige kalte Warteminuten verfolgte, fehlt ebenfalls: daß ich mich umdrehe auf meinem unbequemen Drahtgittersitz neben dem Fahrkartenautomaten, und unmittelbar hinter mir steht der Kolorist aus New York und grinst mich an wie der Tod. Patti Smith‘ herbes Männergesicht ertrüge ich besser, doch ist sie mir dort nicht erschienen. Das liegt daran, daß sie noch lebt.


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