So schwankend, wankend und dennoch gewiß, wie der Frühling die Flure betritt, erobert eine siegreich vorrückende Armee das feindliche Land. Es gibt zahllose Gefechte, auch Rückschläge, doch am Ausgang des Feldzuges besteht kein Zweifel. Die Kleinmütigen raten dazu, die Sache abzublasen, die Optimisten setzen sich durch. Es wird gestorben. In ein paar Wochen sind die letzten Widerstände gebrochen. Die Armee besetzt das ganze Land. Dann wird regiert. Da es aber gegen die großen Gesetze ist, daß etwas ewig dauert und bleibt, wird sich dieses Regiment nicht halten können und eines ferneren Tages den Rückzug antreten. Es geht nicht hin und her, wie manche glauben, sondern gewissermaßen im Kreis. Die Gewalten treiben sich durch den Raum. Ein endgültiges Übergewicht ist nicht zu erzielen. Deshalb wird auch niemals „das Gute“ siegen. Etwas ohne Gegengewicht ist nicht gut.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.