Alle Welt kniet nieder vor der „Intelligenz“. Man betet sie an. Eltern wünschen sich intelligente Kinder – sie wissen nicht, was sie tun. Sie lassen die Intelligenz ihrer Sprößlinge testen und atmen bei über hundert auf. Firmen-, Heeres- und Rädelsführer, Staatsmänner, Wissenschaftler, Ärzte, Juristen, Künstler, Fußballtrainer, Putschisten, Prediger, Mafiapaten, Verwaltungsmenschen – alles überragend intelligente Ausnahmegestalten. Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Die Masse der Hochbegabten drängt zum richtigen Eingang ins richtige Leben, fünfhunderttausend Studenten studieren weltweit an Eliteuniversitäten. Ab- und Ausrichten der Funktionseliten, mehr nicht – auch nicht weniger.
Intelligenz ist ein scharfes Schwert. Es kommt darauf an, wer es wie führt. Jeder kennt einen Hochintelligenten, der mit seiner Inselbegabung sehr gut auf seiner Insel klarkommt, anderswo jedoch absaufen muß. Zum Glück fanden sie vor ein paar Jahren noch die Emotionale Intelligenz. Sodann gibt es eine Intelligenz der Bewegung, des Musizierens, Kalkulierens, Massakrierens usw. Mit Intelligenz allein ist es nicht getan. Persönlichkeit, Charakter, Erfahrung, Güte, Humor, Verständnis, Sorge, Umsicht, Herzensbildung müssen beispringen, sonst wird es nichts mit der Intelligenz.
Genie ist etwas anderes als Intelligenz. Genie ist Geist, Schutzgott und Schöpferkraft. Genie verfügt über ganz andere Anschlüsse. Genie ist der Sprung aus der Suppenschüssel, aus der uns jemand in seinen Mund löffeln möchte. Daß man daraus den Ingenieur abgeleitet hat, sollte in einer technischen Zivilisation nicht wundern, sie lebt davon, beruht darauf. Mit ihrer Intelligenz wenden sich die Intelligenzkinder nicht selten gegen jenes Milieu, das sie so überaus erwünscht fand. Natürlich haben sie recht, denn Neues muß ausprobiert oder Altes wiederentdeckt werden. Intelligenz heißt einsehen, verstehen, wählen zwischen …
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