Spuren in die weitere Welt

Der Däne Lorentz Peter Elfred Freuchen (1886-1957) war Grönlandforscher, Vertrauter der Inuit und Schriftsteller. Ich wüßte seinen Namen nicht, hätte mich nicht ein Freund, ein Antiquar, auf ihn aufmerksam gemacht, dessen Spezialgebiet „Länder, Völker, Reisen“ war. Wir sprachen damals über fast alles, und sehr ehrlich. Durch ihn erinnere ich mich an einen Satz von Peter Freuchen, der eines seiner Bücher seiner Mutter widmete, die ihm beigebracht habe, daß es nicht gut sei für einen Jungen, immer daheim zu sitzen und zu warten. Ich dachte auch an meine Mutter, die auf die Frage einer Nachbarin, ob sie sich nicht Sorgen mache, da ich ja ständig per Anhalter in der Weltgeschichte unterwegs sei, antwortete: „Nein, ich wäre gerne selbst dabei.“ Nicht nur die Jungen, auch die Mädchen müssen hinaus in die Welt. Das Bekannte darf gegen das Unbekannte getauscht werden. Fahrten sind fällig, Erfahrungen sind das Einmaleins späteren Bestehens. Erfahrung beruht ganz und gar auf den freien Fahrten des Reisenden. Sonst wiederholt sich stehender Sinn und brackt. Schlägt man solche Reisen aus, obgleich man begabt war zu fahren: Reue als Lohn. Das ganze Tableau ungenutzter Möglichkeiten wie ein Es-war-einmal. Niemand wirft sich vor, er habe zu viel unternommen. Alle sagen, sie hätten viel mehr wagen sollen. Es gibt keine Preise für Ängstlichkeit, jedoch viel Sympathie für Spürsinn.


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