Der Wert des Todes

Schweigend auf Friedhöfen wandeln. Familiengrabmale wie Tempelanlagen, repräsentativ und wuchtig, einschüchternd. Die eingemeißelten Symbole, Schrifttypen und Daten, der matte Schimmer des Steins. Die Begrünung, der Blumenschmuck. Farne und Moose, das wilde Gras. Die Einfriedung durch Mauern oder schmiedeeiserne Zäune. Die Engel zum Geleit der Seele auf ihrer großen Fahrt. Bildungsgut durch die Jahrhunderte: Grabsprüche. Der entsetzliche Abstieg in unsere Zeit, die vom Tod nicht viel zu halten scheint. Das Reihengrab mit gleichförmigen Grabsteinen seit der Nachkriegszeit. Industrielle Fertigung des Steins, Modellauswahl beim Bestatter, Kataloge. Schriften, die das Ausmaß der ästhetischen Verwüstung offenbaren. Wir sind arm und klein geworden vor dem Tod. Die Macht der Familien ist gebrochen, das Bürgertum liegt in Scherben, die Auffahrt des Individuums zu Glanz und Größe ist vorerst gescheitert. Efeu legt sich um alles. Nachts streunen die Füchse übers Terrain. Die Krähen krächzen. Auch die anderen Vögel singen auf ihre Weise. Eine Katze sonnt sich am Grabmal des toten Mathematikers.


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