Nachher ist Montag, später dann Montagabend, gleich darauf Dienstag, und diese Folge ein Leben lang. Aber ich atme, ich lebe, ich liebe, sagt jeder einzelne vernünftige Mensch. Die Tage bilden Wochen, häufen sich zu Monaten, schichten sich zu Jahren. Allgemeinen Jahren, persönlichen Jahren. Doch was geschieht während all dieser sorgsam gezählten Zeit? Persönliches und Allgemeines, ja sicher. Wie soll ich leben, wonach soll ich mich richten, was kann mich halten, was darf ich wollen? Schwerste Fragen, keine einzige Antwort im Briefkasten. Nur diese endlose Flucht des Gedachten, lange Regale in den Bibliotheken, unendlich viele Verweise auf Seiten, die weiterverweisen. Die Philosophen sind Verräter, da sie auszuweichen pflegen, wenn das unanständig Konkrete sich nähert. Letztenfalls dann, wenn sie es nicht unterzubringen wissen. Achselzucken, Sonderfall, interessant. Auch die Psychologen wollen kasuieren. Es ist ein Jammer. Nachher ist Montag, später der Montagabend, am Ende der Woche Freitag. Freitag ist zusammengesetzt aus frei und Tag. Da ist ein Loch, da ist eine Öffnung, da müssen wir durch. Blödes, schönes Leben! Und weiter werde ich dich bewundern, denn es gibt sonst gar nichts weit und breit. Dies ist ein verstohlenes Gebet.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.