Hauptsache da

Viel Aufhebens um das „ungeborene Leben“. Da springen die Glaubensgemeinschaften im Quadrat, denn die Vernichtung potentiellen Lebens ist ein Sakrileg. Wäre das Leben heilig – ich bin dabei –, müßten sich die kultivierten Menschen dann nicht ebenso sehr oder noch viel mehr für das einzelne geborene Leben interessieren? Das könne und müsse für sich selbst sorgen, heißt es. Ja, das sollte es. Damit der geborene Mensch zurechtkommen kann, haben die Menschen Einrichtungen ersonnen, die das besorgen. Wir kennen einige von ihnen, andere blieben uns erspart. Dort jedenfalls nimmt man es nicht so genau mit dem einzelnen Wesen. Einteilung in Klassen und Gruppen, vorwärts marsch, von Stufe zu Stufe weiter nach oben, an die Pokale. Unterwegs gehen etliche verloren, doch der Hauptstrom des Lebens gurgelt weiter. Die Alten freuen sich, wenn die Jungen das tun, woran sie bereits zu scheitern drohten. Lebensformen bestätigen sich und wandeln sich ab. Leben braucht Fassung. Sonst gerät die Karawane ohne Ziel ins Stocken. Wo ist da der Geist? – Der ersinnt bereits neue Überzeugungstechniken, damit die festgefahrenen Räder wieder ins Rollen kommen. Damit es für den Menschen, diesen Glücksritter, diesen Pechvogel des Seins, weiter gehen kann. Hauptsache da, ganz egal wie, lautet die Devise.


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