Das ist der Austritt

Derweil ich über die Wahlfreiheit zwischen taubenblauem und senfgrünem Becher nachdachte und über Eltern, die ihre Kinder mit unnötigen Fragen stressen, fiel in Brüssel die Entscheidung über den Ausstieg der Griechen aus der Eurozone. Das besagen die Kommentare der letzten Stunden. Ich trinke meinen Nachmittagskaffee nun aus dem senfgelben Becher und wünsche den Griechen, daß sie nicht verhungern, nicht verelenden, nicht verzweifeln mögen. Die Schlangen vor den Geldautomaten rühren an eine historische Angst auch der Deutschen, die sich aus diesem Grunde politisch so streng und oberlehrerhaft gebärden. Gibt es ein Fach namens Ethnische Psychologie? Sind Mentalitäten politische Größen? Besitzen Völker Seelen, wie Herder behauptete? In jedem Fall haften sie für ihre Eliten, wie wir erneut sehen müssen. Ist dies ein trauriger Tag? Nicht einmal das ist klar. Der Anfang vom Ende des Euro sei gekommen, ist nun schon zu lesen. Glaube ich nicht, könnte ich antworten. Doch das wäre ebenso unseriös. Die Dynamik, die mit dem sogenannten Grexit erzeugt wird, ist dasjenige, was zählt. Anleger sind leider nervös bis hysterisch, zudem medikamentenabhängig. Man wird ihnen ein paar fette Downer verpassen müssen, damit sie ruhig bleiben. Nach dem heftigen Regenschauer eben ist nun der Himmel wieder blau. Das ist kein Zeichen, es klart nur auf.


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