Aus der Verborgenheit hinaus ins Licht der Lüge

Jeder schreibt anders. Niemand spricht wie ein anderer, manche ähneln sich nur. Es gibt welche, die sprechen wie jemand, den man ebenfalls kennt. Das geschieht aus Liebe und Verehrung, sie ahmen nach. Beim Schreiben fließen alle ein, die ich gelesen und gehört habe, zuzüglich einer Sprechweise, die sich mit mir oder in mir gebildet hat über die Jahre. Temperament auch, ein Verständnis von Witz und Aberwitz, ein paar Überzeugungen (das sogenannte Fundament), bekannte Gefühlslagen oder Stimmungen und meine Art, sie auszudrücken. Wahrnehmungsweisen, Lieblingsplätze des Nachsinnens und Nachspürens, ein paar Gewürztugenden wie Übermut, Maßlosigkeit, Übertreibung, Größenwahn, Weltschmerz. Dazu noch Ich-Dramatik, Profilneurotik und Applausbedürftigkeit. Ich möchte gemocht werden, und ob ich gemocht werde, prüfe ich, indem ich schreibe. Man sieht sofort: Schreiber sind etwas abartige Menschen, genauso abartig wie alle anderen. Das einzige, was sie unterscheidet, ist: daß sie schreiben. Es ist ein irrsinnig exhibitionistischer Akt, die eigenen Gedanken und Gefühle und Phantasien und Nebengedanken und Hintergedanken öffentlich zu machen. (Dabei kennt sie jeder. Auch einer dieser guten Witze.) Mit einem Unterschied: daß dieses Nacktsein nicht als Lust empfunden wird. Ich bin lediglich erleichtert, manchmal. Oder ich schäme mich, das kommt auch vor, gar nicht selten. Jeder vernünftige Mensch wird unter allen Umständen zu verhindern suchen, daß andere erfahren, was sie oder er wirklich denkt und empfindet. Man macht sich nicht nackt. Gleichzeitig möchte man beichten und endlich alles sagen. Weil man sonst platzt. Ich drohte zu platzen, denke ich, erneut dramatisch, deshalb haue ich jetzt alles raus, was gerade in mir aufsteigt oder von außen einsteigt. Natürlich kontrolliert, gefiltert, zensiert. Leider rutscht dauernd etwas durch. Meine Zensurbehörden arbeiten schlampig. Hoffentlich merkt man das. Ich verneige mich vor allen Lesern dieser Seiten im All.


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Aus der Verborgenheit hinaus ins Licht der Lüge

Ein Gedanke zu „Aus der Verborgenheit hinaus ins Licht der Lüge“

  1. Hartmut schreibt:

    komm, „dieser seiten im all“ stimmt zwar technisch, aber du suchst doch den dialog, oder?
    da verblasst das „all“
    protze nicht so mit begriffen, das ergibt einen unschönen cluster
    du kannst so viel besser schlicht begebenheiten erzählen
    und durch die erzählung ausdrücken, was du empfindest und denkst und willst
    das ist deine stärke

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