Die Frage nach dem wahren Gott umkreist uns erneut. Gläubige bedrängen Nichtgläubige und umgekehrt. Auch die Ungläubigen scheinen etwas zu glauben. Robert M. Pirsig sprach von der „Kirche der Vernunft“. Die Gottesbilder unterscheiden und ähneln sich. Ihr kultureller Hintergrund ist identifizierbar, die Bilder und Erzählungen entsprechen topographischen Räumen, klimatischen Gegebenheiten und historischen Erfahrungen. Warum der eine und richtige Gott dort auftauchte, gesichtet und erkannt wurde, während woanders ein anderer oder viele andere walteten, scheint nicht genug zu irritieren. Die Idee des einen und richtigen oder wahren Gottes impliziert, daß die anderen Götter nicht existieren, nicht als Götter. Sie sind Götzen. Aber wenn Gott von Anfang und vor allem Anfang war, wozu dann all die anderen Gottheiten? Erschuf der eine Gott die vielen anderen Götter, um sich ein Vergnügen zu bereiten, ließ er sie zu, waren sie ihm gleichgültig, reichte sein Arm nicht weit genug, war und ist er machtlos ohne seine Anhänger? Wußten die Zurückgebliebenen aller Weiten und Breiten nichts vom wahren Gott und mußten deshalb mit ihren Surrogaten Vorlieb nehmen? Schöne Selbstschmeichelei übrigens, sich und die Seinen als entwickelt und fortgeschritten zu sehen, da man bereits den richtigen Gott anbetet. Der Kampf der Götter ist aber noch längst nicht beendet. Die Entscheidung steht noch aus, sofern da etwas zu entscheiden ist. Gläubige bedrängen Andersgläubige. Aber darf man ein Absolutum wie Gott relativieren? Kann das funktionieren? Wenn Gott relativ ist, und alles spricht dafür (so wütend der Widerspruch auch ausfallen mag), ist er entthront. Was steht über Gott? So würde ich heute fragen.
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