Letzten Endes landen viele in Entschuldigungen, nur daß unklar bleiben muß, worin die Schuld besteht. Wenn wir handeln, werden wir ‚automatisch‘ schuldig. Jede Wahl für etwas ist eine Abwahl des anderen. Dafür zu sein bedeutet dagegen zu sein. Aus dieser Grundschuld des Verstoßens durch Wählen holt uns niemand, auch nicht der liebe Gott. Der ist eine schöne Trostfigur für Kinder, die sich einfinden in diese durchaus komplizierte Welt, doch erfährt ein jeder früh genug, daß der liebe Gott die Sachen laufen läßt, ohne einzugreifen und zu bestimmen. Das empört kindliches Gemüt. Denkt man sich jedoch Gott fern von Chef und Familienvater, bekommt das Wort, das eher noch Name ist denn Begriff, einen anderen Hof. Demnach ist Gott Wahrheit oder das Herz der Welt oder das höchste Bewußtsein oder das große Geheimnis usw. Gott ist Platzhalter. Das behagt manchen nicht, doch haben sie schweren Stand. Niemand katapultiert sich folgenlos zurück in den Gnadenstand der Unwissenheit. Da wir aber wissen, können wir auch ehrlich sein. Die Angelegenheit Gott ist nicht erledigt, solange wir das Höchste, Größte, Umfassendste nicht verstehen. Das Ganze enthält uns, während wir stammeln und uns Existenz zurechtlegen nach Maßgabe des jeweiligen Verstehens. Selbstverständlich ist Gott eine Kreation des begabten Menschen, der sprechen wollte, was er nicht verstand. Dabei bleibt es. Ich spüre Gott, nur daß Gott etwas ist, was ich nicht dringend Gott nennen möchte oder muß.
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