Regen und Kaffeehaus. Eine Frau kommt auf hochhackigen Schuhen hereingeeilt, ihr langer Mantel ist unten etwas bespritzt, sie schließt den Schirm, schlägt ihn vor der Schwelle kurz aus, sucht, lächelt, eilt auf den Tisch zu, an dem auf sie gewartet wird, sagt etwas über das Wetter und entschuldigt sich. Aber das macht doch nichts, sagt der Mann oder die Freundin wie im Film. Da es lange regnet, bleiben sie und bestellen jeder ein zweites, dann ein drittes Getränk. Jetzt haben sie Zeit, und die Zeit schenkt ihnen der Regen. Oder der Anfang von Alexis Sorbas, als der Erzähler, ein heruntergekommener Intellektueller, im Kaffeehaus des Hafens sitzt zwischen Arbeitern, Seeleuten, Kapitänen und Reedern. Es schüttet in Strömen, alle fluchen, sitzen fest, sind mürrisch, trinken Tee, rauchen. Da öffnet sich die Tür und Sorbas betritt den Gastraum. Alles wird nun anders. Der Erzähler ist reif für die Verwandlung. Dazu ist es nötig, daß er Sorbas kennenlernt. Um zu zeigen, wie kaputt er war, sagt der Erzähler, vor die Wahl gestellt, eine Liebe zu erleben oder eine Liebesgeschichte zu lesen, hätte er sich zweifellos für das Buch entschieden. Buddha-Studien und endlose Meditationen hätten ihn vergiftet, sagt er, schreibt er rückblickend. Zuviel gedacht, zuwenig gemacht. Die Gedanken nimmt einem ja keiner, doch den Großteil der Schwermut. Das Kaffeehaus im Regen ist gut für beide: die unentwegt Tätigen kommen zu Ruhe und Nachdenklichkeit, der Melancholiker ertrinkt in seinen Träumereien. Einzig die Kellner handeln.
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