Nach dem Regen

Ich erwachte, und es regnete. Da blieb ich liegen und lauschte. Je länger ich es tat, desto mehr war mir, als würde ich gewaschen. Endlich ein nicht endender Regen, wie ich ihn zur Beruhigung benötige. Ich mag Regen, sagte kürzlich jemand, der mir gleich noch sympathischer war. Jetzt scheint die Sonne und trifft meine Haare. Wolken haben sich versammelt, der Himmel ist heiter bewölkt. Ich aber denke zurück an ausgiebigen Regen, der wie eine große Gabe über bedürftigem Land ausgeschüttet wurde. Die Erde trinkt, sagte ich als Kind oder dachte es, wenn ich nicht darüber sprach. Der Regen bringt auch frische Gedanken und Träume. Günter Eich, dessen Botschaften des Regens aus Vorwürfen, Verzweiflung und Anschuldigungen bestehen, brachte er die Buchstaben zu seinem Gedicht. Regen macht nachdenklich, und er narkotisiert. Arbeiter sitzen im Bauwagen, trinken Heißes aus der Thermoskanne, rauchen eine Zigarette, lesen die Bild oder mampfen ihre Stullen. Sie müssen warten, bis es aufhört zu regnen. Der Wanderer im Wetterhäuschen muß warten. Er bereitet sich einen Kaffee, den er auf seinem kleinen Gaskocher zubereitet. Instantkaffee zwar, doch unsagbar köstlich. Von den Bäumen tropft es, von der Teerpappe der Schutzhütte tropft es. Am Boden bilden sich kleine Seen, Rinnsale, Flüsse. Sie befördern Staubteile, Steinchen, Blätter, Stücke von Zweigen. Die Leiche eines Käfers, der gestern noch lebte, tragen sie woanders hin. Der Wanderer sieht das und denkt sich seinen Teil. Das ist das, was ein jeder tut, wenn es draußen regnet.


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Nach dem Regen

Ein Gedanke zu „Nach dem Regen“

  1. Hartmut schreibt:

    ja, ich mag deinen mikroskopischen blick
    der in einem satz ein bild hinmalt, das sich entfaltet und offen ist für alles, was ich noch darin sehe
    deine skizze vereinigt sich mit meinen erinnerungen und hoffnungen
    zu einem gemälde des regens, den ich auch gehört habe
    auch wenn heute wieder die sonne scheint
    diese unglaublichen momente, wenn sie morgens am himmel wie ein funkelnder edelstein erscheint
    oder sich am abend von dir und mir verabschiedet
    „die schwärmerische, die nacht kommt“
    in der dein denken, suchen, sprechen, schreiben zur ruhe kommt
    und mein lesen, dir nachdenken
    und der sommerregen uns dann erfrischt
    wie ein sprung in den see nach der nacht mit der geliebten
    ja, vereinige all dein gefühl und erleben mit deinem wissen
    den winzigen details, die du dir erarbeitest hast,
    mit der schau, die dir zuteil wird, weil du dich um sie bemühst
    WO FINDET MAN DEINE LESUNGSTERMINE???

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