Will das Herz sprechen, kann es das denn? Ich denke, es möchte schon, aber ob ein Mensch seine Herzsprache findet und ausbilden kann, hängt von vielem ab. Eben deshalb erleben die Leute die Liebe als das Großereignis ihres Lebens, da in jenem Fall endlich gesprochen wird, wie gesprochen sein sollte – ganz nah bei sich und zugleich nahe am anderen. Ansonsten haben wir uns eine Art Verkehrssprache angewöhnt, die anspricht und verschweigt, sich allgemein hält und alles in allem recht schäbig und abgetragen wirkt. „Na, alles klar?“ – „Ja klar, und selbst?“ – „Muß ja.“ Der Tag wird durchgesprochen, die Floskeln gehen von Mund zu Ohr. Die Verständigung gelingt dennoch, man ist eine kräuselnde Bewegung am Rande der anderen. Dann muß man auch schon weiter, hat seine Pflichten, dreht ab und läuft weiter im Verkehr, dreht sich wie die Wolken an einem Himmel von van Gogh, sondert dabei anerkannte Laute ab. Danke schön, bitte schön, durchaus erfüllt, sinnvoll sowieso. Ich denke dabei an die Ameisen, die sich auf ihren Routen des Erkunden und Eroberns begegnen und kurz berühren, dann schnell weiter müssen auf höheren Befehl. Wo ist da noch Platz für die Herzsprache? Ja, das sehe ich ein. Ich muß darüber nachdenken, was es mit dieser Sehnsucht auf sich hat. Nun werfe ich mich in meine nächste Runde, um Laute abzusondern im Verkehr des Verkehrens am Ameisenhimmel.
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ok Holger, krabbel als ameise weiter
aber der typ bist du doch gar nicht?
du bist ein sehr tief empfindender mensch
darum lese ich deinen blog
und wegen deiner leichtigkeit und offenheit, die mit deiner tiefe vereinigt sind
diesen sommer in Berlin erleben mit all seiner wärme und quirligkeit
und deinen gedanken und sensationen
das genieße ich gerade völlig
in deinem buch komme ich stückweise voran
manchmal fehlt mir ein wort
aber die individualität und ehrlichkeit deiner wanderung durch die Berliner Literatur besticht mich immer wieder
grammatikalisch ist alles zu 99 prozent korrekt und angenehm
du öffnest einen blick in einen sonnigen, wolkenziehenden himmel
ich wünsche dir glück
ich denke darüber nach, in welcher haltung du sprichst und schreibst
dir geht es nicht um die wirkung
deine literarischen streifzüge durch Berlin, dein buch, das ich gerade zum zweiten mal lese, da ist stilistisch alles sehr geglättet (ohne „glatt“ zu sein)
dein blog ist widerständiger
du erlaubst dir brüche, inkompatibilitäten, inponderabilien
formulierungen in diesem fluss deines sprechens,
die manchmal die harmonie stören, das allzuschnelle einverständnis verhindern
das macht dich groß in meinen augen,
dass du die ablehnung in kauf nimmst,
das belächeln, den kritikaster, der alles besser weiß
diese ehrlichkeit deines wesens, die sich über alle stadien deiner biographie erstreckt
– du erzählst ja von kindesbeinen an -,
die macht dich mehr als sympathisch, sie macht dich schön,
unabhängig von meinem aktuellen verstehen und zustimmen
ja, schenke uns weiter deine sprache, dein herz, deinen verstand
danke