Zwischen Himmel und Erde

Zehn Uhr abends, die Mauersegler jagen noch. Vor einer halben Stunde etwa war Sonnenuntergang. Noch sehen sie etwas dort oben. Ich höre ihre Schreie wie an jedem dieser neunzig Tage, die sie bei uns sind. Nun habe ich erfahren, daß sie in der Luft übernachten können. Sie sind die Extremisten, selbst unter Seglern. Im Sturzflug beträgt ihre Geschwindigkeit bis zu 200 km/h. Da sie nicht immer so schnell fliegen, sind Falken ihre Feinde. – Wer schreibt, der will etwas loswerden, dachte ich vorhin, als ich die Straße überquerte. Teile seiner selbst, um ein anderer zu werden. Vorhin dachte ich noch, er möchte sich ganz loswerden. Das denke ich nun nicht mehr. Jetzt denke ich an eine sich häutende Schlange. Die mürbe und brüchige, doch schön gezeichnete Althaut einer Kreuzotter habe ich einmal gefunden. Sie war sehr trocken, pergamenten. Als ich sie aufnahm, brachen Stückchen ab. Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht habe, als ich sie betrachtete, dann ins Gras legte. Ich legte sie ins Gras, ich warf sie nicht fort. Das weiß ich noch. Ich hätte sie auch fallen lassen können, denke ich jetzt. ‚Prätentiös‘ bedeutet soviel wie ‚übertrieben anspruchsvoll‘. – Gestern landete ein Grashüpfer auf meiner Hand, als ich mit Freunden abends noch saß und ein Bier trank und über ein paar Schwierigkeiten unserer Lebensweise sprach. Er erkundete meinen Arm, kletterte höher und verschwand dann irgendwo in der Nacht. Ging es nicht auch um den Israel-Palästina-Konflikt? Als ich in der Toilette stand, sprang plötzlich etwas auf die Fliesen. Da hatte er mich begleitet, ohne daß ich davon wußte. Ich hätte ihn wieder hinausgetragen, aber ich konnte ihn nicht mehr sichten. – Auch Hunde können depressiv sein, sie leiden, wenn etwas in ihrem Umfeld nicht stimmt. Ein Hund hätte uns gestern noch gefehlt. Ich erinnere mich, daß ich sagte, es sei nicht gut, wenn wir uns unausgesetzt von anderen alarmieren lassen.


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