Nachtregen, ein leises Flüstern. Das Kunstschöne ist etwas anderes als das Naturschöne. Dieses stellt nicht dar, es ist. Jenes stellt dar und ist. Den Menschen eine unerzwungene, aber notwenige Zugabe, mit der sie nachbildend und vorbildend verstehen. Zeig mir, wie der Rabe schaut, wie springt der Frosch. Kinder zeichnen Haus, Garten, große und kleine Menschen, Sonne, Himmel, später mehr. Das ist das nachbildende Verstehen. Recht früh bereits gelangt das an Grenzen. Neue Entwürfe treten hinzu. Stets auf dem Sprung, jederzeit weiter und hinaus und hinauf. Es gibt kein Begnügen. Da beruhigt der Regen des Nachts. Fast hat man ihn vergessen. Die Füchse leben wieder nahe, wie nächtliche Gefährten, Spurenleser, Scouts. Das Land wird immer leerer, die Tiere folgen uns in die Städte. Draußen in der teilverseuchten und ausgeräumten Agrarlandschaft hält es keiner mehr aus. Das ist das Arge, dort liegt viel Schmerz. Oswald Spengler hat das gedeutet als den Sieg der Zivilisation über die Kultur: alles zieht in die wenigen Metropolen, das Land verödet oder fällt brach. Wer dort ausharrt, ist unbeweglich, alt oder beides. Er sah darin Untergang, vermutlich ist es Übergang. Einige der Jüngeren siedeln erneut dort draußen wie bunte Kolonisten. Sie knüpfen an und führen fort, sie verbinden das ganz Alte mit dem Neuesten. Das sind wichtige Erprobungen. Gibt es intelligentes Leben außerhalb der Stadt? So fragt die Stadt. Gibt es dort überhaupt Leben? fragt das genügsamere Land. Der ganze Unsinn, der uns plagt, in Atem hält, dauerbeschäftigt und partiell sterilisiert, wird wie ein Spuk verschwinden, dachte ich heute. Nach so viel Tod und Sterben gehört die Zukunft einem erneuerten Leben. Und schon fallen mehr Tropfen, sie flüstern nicht länger, sie treffen auf. Die Erde ist fruchtbar, der Garten verwildert. Nun schoß der Blitz seine Bahn.
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