Die Romantiker wußten recht genau, weshalb sie die Nacht dem Tag vorzogen: der Weltenstille wegen. Traum und Rausch sind noch einmal ein anderes. Diese weite Stille, als knisterten lautlos die Sterne oder gäben Zeichen. Die Einkehr des Menschen in die Stärke seiner Ruhe, bereit für die guten Gedanken und ein tiefes Verstehen. Zeit für die Große Vernunft. Verklungen das emsige Treiben und Rufen, die Geschäfte des aufgeregten Tags, dieses noch und jenes und zwar zügig. Als könne Gott warten, hätte Rilke gesagt.
Nachtrag zum Schreiben: Wie soll das gelingen, wenn man kein Vertrauen hat? Die Wörter werden schon kommen, wenn man sie läßt. Manche Gedanken haben es gar nicht eilig, sie brauchen Jahre oder Jahrzehnte. Auch die Sprache bereitet sich in einem vor, Tag und Nacht. Man benötigt sehr viel Geduld. Sitzt aber einer da und wartet aufgeregt, würde ich als Gedanke einen Bogen um ihn machen. Sein gieriger Griff nach mir würde mich zerstören. Briefe lassen sich jederzeit gut schreiben, das Tagebuch verzeiht.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.