Nichts mehr wie zuvor

Eher beiläufig sagte ich einmal: Meine Geschichte beginnt damit, daß ein Stein vom Himmel fällt. Der Zuhörer (es gab nur einen) schaute auf, stutzte, lächelte dann, war bereit. Etwa so beginnt eine Geschichte, die mich interessieren könnte. Deshalb habe ich diesen Anfang erzählt, ist ein paar Monate her. Von oben kommen Regen, Schnee, Hagel, Graupel. In Chicago rieselt es Glassplitter und große Stücke von Scheiben bei fürchterlichem Sturm, der an den Hochhäusern rüttelt, als seien sie auszurauben oder sonstwie zu erleichtern. Das erfuhr ich vor einer Woche im Garten des Abends. Das habe ich mir gemerkt, da ich mir vorstellte, ich ginge durch eine Sturmnacht in Chicago und hielte mich nicht an die Hinweise und Warnungen, sondern schlüge sie alle in den Wind, wie man so sagt, liefe entlang der Avenuen, quer zum Wind und zur natürlichen Logik eines Lebewesens, das überleben will, einfach immer weiter geradeaus, vermutlich ohne eine Ahnung, wohin geradeaus führt, linear betrachtet, und um mich herum prasselte und rasselte es Glasscheiben und zusätzlich noch Dämmplatten, die dem starken Wind eine neue Möglichkeit eröffneten, mit der Materie zu spielen. Es sähe schlimm aus auf den Straßen, doch ich liefe weiter. Nicht tapfer, nur irre. Zwischendrin die gute Überlegung, einen Gullydeckel zu öffnen und in die Kanalisation abzutauchen, einzusteigen in eine Welt, die sich nicht zu rechtfertigen hat. Seit Stunden keinen Menschen mehr erblickt. Die Straßenbeleuchtung ist aus bei Neumond, eine Springflut angekündigt, ich auf einer Kreuzung, an der die Ampeln im Sturm pendeln wie Sandsäcke, auf die ein wütender Boxer eindrischt. Kein Hochhaus weit und breit, nur noch diese Garagenbauten mit den maschendrahtgeschützen Grundstücken ohne erkennbare Nutzung. Genau dann fällt ein Stein vom Himmel. Was soll ich denken, was tun? Das interessiert mich.


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