Kontraste schaffen

Da ich ein freundliches und harmonisches Leben führen möchte, bewege ich mich dazu, Ärger zu vermeiden und mich nicht aufregen zu lassen. Die Musik im Restaurant war zu laut, die Menschen auf den Straßen waren zuviele, die Partyleute im Zug anstrengend. Ich falte mich dann klein und warte, bis es vorbei ist. Wenn es mir hier in Berlin – dort, wo die Szeneleute sich treffen und das Stadtbild bestimmen – zu bunt wird, rufe ich mir das Grau anderer Städte in Erinnerung. Städte, in denen sogenannte normale Menschen normal leben. Ich stelle mir Wohnanlagen mit unbenutzten Grünflächen und geometrisch geschnittenen Hecken vor. Ich denke an Fußgängerzonen, an Parkplätze vor Großkaufhäusern auf der Wiese. Ich spüre das Mürrische, das Pessimistische, die Mißgunst und das Ableben der Tage. Ich erkenne, wie sie sich gegenseitig in Schach halten, bis sich keiner mehr frei zu bewegen traut. Der Nachbar als Polizist, der Nächste als Feind. Bespitzeln und anzeigen. Dieser Mißmut, diese Mutlosigkeit, diese tägliche Entmutigung durch soziale Verhältnisse, wie sie im Gefrierfach herrschen. Menschen in ihrem Trott, aber so wenig Freude, so entsetzlich wenig Spaß. Mein Gegenbild ist etwas grob geschnitzt, aber ich lief mal durch die Innenstadt von Wolfsburg und war erschüttert. Ich kenne einige Straßen und Plätze in Duisburg, irrte durch Frankfurt am Main, wo sie angeblich gut gelaunt sind. Auf den ersten Blick fast alles abstoßend. Ich spreche hier nur vom ersten Blick! Lieber bunte und laute Menschen als dieses Eingepferchte in den grauen Gegenden dieses Landes. Sicher, das Leben ist schwer, oft mühselig und manchmal ätzend, aber diejenigen, die bisher verschont wurden, werden das ja auch noch erfahren müssen. Noch sind sie jung und fröhlich. Man stelle sich das Gegenteil vor: sie säßen stumpf und traurig vor den Cafés und Bars, schwiegen in ihre Getränke und bliesen Trübsal. Man hätte auf der Stelle Angst vor der Zukunft.


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