Denke ich an Deutschlands Gärten … Der Garten soll sauber und schnittig sein, geometrisch und artenrein. Dort walten Logik und Tatendrang von Schwachsinnigen. Vorbild ist die Grabstelle auf dem Friedhof, der Friedhof selbst. Dessen klare Parzellierung, rechteckig zu durchqueren, jegliches Pflanzentum an den dafür vorgesehenen Stellen. Der Rasen ein monofarbener Teppich aus einem Grün, das es eigentlich nicht gibt. Züchtung. Die Maulwürfe mit chemischen Waffen niedergestreckt, die Singvögel in eigens montierte Vogelhäuser gesteckt. Die Öffnung bestimmt, was wo leben und brüten darf. Die Schwalbennester aus dem Winkel von Dach und Hauswand gerissen. Argument: Die kacken alles voll. Die abgezirkelten Rabatten bepflanzt mit Blumen, die nicht anders können, als dort pflichtgemäß zu blühen. Sodann – Rhododendren, die gestutzten Heckenpflanzen, die elektrische Gartenschere, die Gummihandschuhe, der moderne Rasenmäher, Stolz des Mannes. Warum Menschen die Erde an ihren Händen nicht mehr spüren wollen, werden sie später zu erklären haben, wenn die Seelen gewogen werden. Im Garten reagieren sie sich ab. Die Frau des Hauses rutscht auf den Knien herum und jätet Unkraut. Er schlägt vor, die chemische Keule einzusetzen. Schließlich siegt gerade noch die Vernunft. Dafür schmeißt er jetzt den Mäher an, worauf sie beleidigt ins Haus eilt, um kurz darauf mit einem Eimer Wasser, ihren Gummihandschuhen und einem Lappen auf die Terrasse zu treten. Die Gartenmöbel müssen gewaschen werden. Sie hat Schmutz, ein paar Spritzer vom letzten Regen, entdeckt. Er schreitet seine Runden, mäht sorgfältig unter den Tannen, um deren Stämme ein Kreis ausgestochen wurde, damit das Gras am Stamm nicht stehenbleibt. Jetzt steht da gar kein Gras mehr, nicht ein einziger Halm. Um den Stamm ist nichts als nackte Erde. Weiter hinten steht eine Bank aus dem Baumarkt, Modell Obi Gartenbank Sacramento, ein Zweisitzer aus anthrazitfarbenen Stahl. Er bevorzugte das Modell Schubkarre, doch konnte sie sich durchsetzen. Holz gammelt doch gleich wieder, sagte sie. Nun poliert sie die weißen Beine der Terrassengarnitur, er raspelt Runde um Runde den ohnehin schon kurzen Rasenflor. Später wird er mit dem Spritzmitteltank auf dem Rücken an der Hauswand entlang gehen und das Unkraut mit Gift besprühen. Morgen kommen Gäste, die trifft der Schlag, wenn sie das Ergebnis all der Mühen erblicken. Ein keimfreier Garten des Todes, denn alle Träume werden wahr.
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