Im Garten wuchert das Grün. Nichts ist gepflanzt worden. Die Samen trug der Wind hierher oder sie lagen Jahrzehnte unter dem nun abgehackten Baum und warteten in genügsamer Latenz auf ihr Erwachen. Sehr leise fällt ein Regen, es ist Nacht. Leise geht auch der Wind, der die Abkühlung bringt. Manchmal möchte ich die Welt umarmen und dabei schluchzen. Aber das wäre, als spränge ich ins Gehege eines Tigers im Zoo, um ihm nahe zu sein, da ich ihn verehre, seit ich drei Jahre alt bin. (Manchmal geschieht derlei in den Tierparks. Ich verstehe den Antrieb.) Welt ist zuviel, um es zu umarmen. Ich vermag nicht einmal einen dickeren Baumstamm zu umschlingen. Warum schluchzen? Aus Rührung, will ich meinen. Angetan sein, berührt: von der unendlichen Schönheit leisen Regens, kühlender Winde im Sommer, warmer Strömungen im Winter, dem Abschied der Mauersegler, deren Abflug ich täglich erwarte, der Bewegungsintelligenz mancher Menschen, die mehr noch sind als Tänzer, fast schon Schwebende. Der Anmut, dem Wissen des Körpers, dem Spürsinn des Herzens, von all dem. Nächtliches Schwimmen in schwarzen Seen. Heller Sand, ernste Kiefern, Mondsichel hoch droben. Unwillkürlich ist einem feierlich zumute. Doch die Nachtjäger ruhen nicht. Mögen sie erfolgreich jagen, ihre Augen sind dafür geschaffen. Die Schwingen des Uhus, die Sprünge des Fuchses. Im Unterholz knackt es. Die Badenden bekleiden sich, es ist Zeit zu gehen. Der See bleibt an Ort und Stelle, der Mond wandert noch ein wenig. In den Wohnungen ist es behaglich. Gar nichts fehlt, selbst wenn man wenig hat. Hinüber in die Träume, einen Reichtum anderer Art.
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