Leonard Cohen damals und heute

1968 BBC Broadcasts, Live-TV, dreizehn Songs der frühen Jahre, doch Leonard Cohen damals bereits in seinen Dreißigern, Späteinsteiger in den juvenilen Rock- und Pop-Zirkus, fast schon ein weiser alter Mann. Diese müde Stimme, Verse eines anderen Wissens, alt wie die Welt, empfangen von einem Poeten, der die Schriften gelesen und verstanden hat. Gegen ihn waren sie sämtlich kleine Kinder, unschuldig, verspielt, ein bißchen an allem zupfend, ruckelnd und zündelnd. Sie, die Protagonisten der großen Festivals und der Explosion von Sehnsucht, Hoffnung und Gewalt, dem Summer of Love und den zwei kurzen Jahren darauf. 1970 war die Sache durch. Andere Zeiten brachen an, die Rebellion war gekauft worden, Pop wurde Plastik. Cohen duckte sich, arbeitete weiter. Kritiker schrieben, seinem Album Songs of Love and Hate solle man Rasierklingen beilegen. Man nannte seine Lieder melancholisch oder depressiv, dabei waren sie nur tief und wahr. Cohen wurde zunehmend ironisch, schuf sich die Persona des Ladies‘ Man, in neuerer Zeit die des eleganten Entertainers auf großer Abschiedstournee durch die Welt. Zwischendurch war er abgetaucht, ließ sich zum Zen-Mönch ausbilden. Im Kloster trug er den Namen „der Stille“. Er wird am 21. September einundachtzig Jahre alt. Sein Einfluß wird noch wachsen. 1992 erschien sein prophetisches Album The Future. In ihr leben wir seit etlichen Jahren.


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