Welcher Art sind denn die Beziehungen, die Menschen unterhalten? Bereits das Verb führt auf seltsame Wege. Als leiste man sich etwas, könne es besitzen und darüber bestimmen: ein Segelboot, eine Ferienwohnung (wir haben dort eine Finca), einen freundlichen Hausbediensteten. Ich entdecke seit längerem etwas Lauerndes in den Beziehungen der Menschen, als säße in ihnen etwas auf dem Sprung und warte auf die Gelegenheit zum Ausbruch. Was dann geschehen kann, weiß ich nicht. Als seien sie anwesend und zugleich ganz woanders. Man bekommt etwas ab, wie der Hund, der brav zusieht, wie die Herrschaften oben speisen, während sein Augenblick erst noch kommt. Das verleiht ihnen zugleich etwas Träumerisches. Nicht daß ich mich betrogen fühle, keineswegs. Ich führe die Gespräche, die ich führen möchte. Doch entgeht mir nicht dieses Abwesende der anderen, das Abwesende meiner selbst. Als habe ein Dämon uns am Wickel. Als könnten wir uns alle verlassen, wenn es Zeit ist. Multioptionale Menschen mit viel Wahlfreiheit und keiner Entscheidung. Überfordert wie Kinder. Als seien wir nicht Wiedergänger, sondern Vorläufer unserer selbst. Als bereiteten wir unseren wahren Auftritt, der noch aussteht, nur vor. Alle Welt denkt psycho-logisch und betrachtet sich selbst, angewidert und belustigt, unentwegt. Es gibt keinen Ausweg aus der Spiegelfalle. Das macht uns zu Ironikern. In uns sind wir mindestens zu zweit. Der eine zwinkert: Mach du das mal, ich schau dir zu. Je sensibler ein Mensch ist, desto schlimmer. Unsere doppeldeutige Existenzweise ist das Ergebnis von Bewußtsein und Analyse. Jemand denkt, daß er denkt. Ein aufkommendes Gefühl wird registriert und weitergereicht. Handlung fällt nur noch ab, sie führt nach nirgendwo. Erst wir sind die wirklichen und wahrhaften Dialektiker, wir Multimenschen. Warum manche begeistert sind, ist mir schleierhaft. Vermutlich machen sie sich Mut. Jeder denkt an Spätzeit, als breche demnächst etwas ab oder zusammen. Wahrscheinlich müssen wir jedoch weiter schmoren und unten warten, ob von oben etwas abfällt. Das ist unbefriedigend. Ich werde meine Beziehungen überdenken. Mit gutem Willen allein ist es allerdings nicht getan. Man entkommt nur schwer der Strömung, in der wir alle treiben und mit den Armen schlagen. Das gelingt auch bei niedrigerem Bewußtseinsstand. Manche wissen nicht mal, daß sie schwimmen. Ich kenne welche, die stehen fest auf irgendeinem Grund (Fels in der Brandung oder Aussichtsplattform) und rufen sich etwas zu, uns etwas zu. Ich verstehe einzelne Wörter, dann zerfetzt das Getöse den Sinn. Ich habe mir nun ein stabiles Schlauchboot bestellt, um heil durch die Stromschnellen zu kommen. Weiter unten wird es ruhiger, dann gehe ich an Land und besichtige. Der Sinn des Endes liegt im Neubeginn.
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