Vor Mitternacht außerhalb einer Bar mit vielen Menschen

Die Hitze verbindet, wildfremde Menschen geraten unversehens in erstaunliche Gespräche, die sich der Herausforderung verdanken, daß die Temperaturen auf absehbare Zeit nicht sinken werden. „Ist das heiß!“ beginnt jemand. Ich stimme zu und  spende ein paar Sätze des Trostes, die besagen, daß wir ein Ende des Sommers herbeisehnen müssen – nur dann sei er gut gewesen. Diese Äußerung bedingungsloser Bejahung werde ich im nächsten Winter, wenn er nur streng und grausam kalt wird, wiederholen. Plusminus. Wie hätten Sie es denn gern? Jeder sagt, was er gern hätte. Leiden wir denn? Niemand leidet, es sei denn, man ist alt und außer Atem und der Kreislauf will nicht mehr (wie man so sagt), dann ist es ungünstig. Wir führten ein sensationelles Gespräch über das Kochen weicher und harter  Eier. Harte Eier brauchen ein bißchen länger, weiche weniger. Daran kann man sich halten. Eine Frau in hellem Kleid schob ein wunderschönes weißes Fahrrad mit Weißwandreifen vorbei. Ich hielt sie zunächst für eine Erscheinung, doch dann bückte sie sich, um etwas vom Kopfsteinpflaster aufzuheben. Erscheinungen tun so etwas nicht, die suchen nichts, die vermissen nichts, denen fällt auch nichts herunter. Sternenhimmel und Musik, genug zu trinken, das Gerede der Menschen, die sich von den Vögeln nicht sonderlich unterscheiden, nur daß sie ewig brauchen, bis sie flügge sind. Schöner Abend, schöne Menschen, schöne Lieder. Schmerzvoll fast, daß ich gehen mußte. Manchmal ein Lufthauch, lindernd und kühl, aus dem Norden.


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