Wespe und Wachs

Ein weiterer warmer Tag, auch die Nacht bringt kaum Abkühlung. Die Nacht … als sei sie etwas Linderndes, etwas von kühlendem Schwarz. In die Kerze ist vor etwa zehn Minuten eine Wespe gestürzt. Nun liegt sie gekrümmt in der heißen, durchsichtigen Flüssigkeit des Wachses. Ich verstehe nicht, wie das geschehen konnte. Daß eine Wespe sich im Raum befand, wurde ich nicht gewahr. Der Spielfilm fesselte mich, ich schaute, dachte nach. Es gab ein Geräusch plötzlichen Aufflammens, als hätte jemand ein Streichholz entzündet. Das war ihr kurzer, tödlicher Auftritt. Da die Tote nun bewegungslos und gut beleuchtet im Wachs schwimmt, sehe ich ihre antennenartigen Fühler, die Beine und den wunderschön geringelten Hinterleib, auch den Stachel, fein und spitz wie ein Stilett. Allein die Flügel befinden sich oberhalb des durchsichtigen Sees, der gleich erstarren wird, wenn ich puste. Sie liegt dort lässig geborgen, als schlafe sie. Die Flügelspitzen werde ich sehen, wenn ich nächstens die Kerze anzünde, diesen tödlichen See, nach einer Weile dann den Rest. Ich werde erstaunt sein, jedoch nicht zu sehr.


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