Ankunft gegen 19 Uhr (Tropengespräch)

Nun ist er angekommen: weicher und leichter Regen, erquickend frisch und belebend. Ohne Getöse, ohne Spektakel, beiläufig wie eine routiniert zu erledigende Aufgabe. Ich habe über das Leben in den Tropen nachgedacht. Man braucht als Europäer dort stabile Nerven und eine robuste Gesundheit. Sonst dreht man durch, erschießt seine Frau, die Kinder oder alle oder sich selbst. Diese schwüle Hitze, dauernd rinnt der Schweiß, Insekten heften sich an, als sei man ein Stück Aas. Tagsüber ist nichts zu beginnen, das bloße Existieren ist Last genug. Gehen – wozu und wohin? Nach Sonnenuntergang Treffen auf der Veranda. Graham Greene erzählt seine Geschichten, wir diskutieren die Wirksamkeit von Chinin (Malaria, Fieber). Er sagt: „Die Tropen verändern einen Mann. Hier zeigt sich sein wahrer Charakter.“ Mir gefallen die markigen Sätze, ich frage: „Was sollte man tun, um nicht völlig die Haltung zu verlieren?“ Er antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Das, was man überall tut: dem Tag eine feste Ordnung geben, sich peinlichst genau daran halten. Sonst ist man schnell erledigt. Sie schmilzen wie weißer Käse in der Sonne. Es beginnt zu riechen, die Leute wenden sich ab. Übrigens zu Recht.“ Er empfiehlt das Opiumrauchen, „hin und wieder“, sagt er, „nicht zu oft.“ Es bekämpfe Schwermut und Heimweh äußerst wirkungsvoll. Auch die Weibergeschichten ließen sich so besser wegstecken, ich wisse schon. „Übertreibt man es, wird das Zeug zum Problem“, sagt er und räuspert sich. „Kann gefährlich werden.“ Worin die Gefahr seiner Ansicht nach bestehe, frage ich. „Daß man sich abschafft“, sagt er und zieht an seiner Tabakpfeife. Nach dem Drink verabschiedet er sich höflich und steigt die Verandatreppe hinunter, wo ein Wagen mit Chauffeur auf ihn wartet. Kleine koloniale Begebenheit, während es sanft und mitleidvoll regnet und in der Ferne ein wenig donnert.


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