Wissende Landschaft

Daß die Welt ein großer, nahezu unermeßlicher Garten ist, erfaßte ich während einer längeren Wanderung. Da war eine Ebene mit einem Fluß darin, lagen die Ortschaften, die Verbindungswege, Felder, Waldstücke, lockte eine fruchtbare Ferne. Ich stand am Rande des großen Waldes, unter meinem Beobachtungspunkt ruhte im Dunst des Mittags ein Kloster, ausgedehnt und ehrwürdig. Es erschien mir als das Gegenwärtigste überhaupt, denn es war richtig in Lage, Beschaffenheit, Botschaft und Wirklichkeit. Ich begriff, was ein Kloster gewesen sein muß und dermaleinst sein kann. Ich lief vorbei, hatte einen anderen Weg, verneigte mich vor dem guten Tun dort, unterstellte es jedenfalls. Der Fluß, flimmernd in der Ferne, war der Rhein. Der große Wald in meinem Rücken war der Schwarzwald. Von dort aus gehen die Wege ins helle Licht. Ich war nahezu trunken von diesem Licht über der ausgedehnten Ebene wissenden Lebens. Ich verstand kurzzeitig verlorenen Sinn. Er lag dort, im Flirren der Hitze, im menschlichen Anbau des Seins nach den Gesetzen der Rücksicht. Ich erkannte die Gesetze, man konnte nur gegen sie verstoßen.


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