Fleetwood Mac lehren die Achtziger

Seltsame CDs in meiner Sammlung. Ich hörte gestern Tango in the Night von Fleetwood Mac aus dem Jahr 1987. Tango in the Night … Zwischen Big Love und You and I, Part II eine Menge Pop mit sechs Single-Auskopplungen, dargeboten von einer Band, die durch den Abgang von Peter Green ihr „Blues-Gewissen“ (Christoph Dieckmann) verlor und 1979 mit Tusk das letzte gute Album ablieferte. Rumours (1977) kennt alle Welt, der Song Don’t Stop (Thinking about Tomorrow) wurde später zur Wahlkampfhymne von Bill Clinton. Während ich den Pizzateig ausrollte, die Songs hörte, einen nach dem anderen, überlegte ich mir, warum ich nicht ausschaltete und was eigentlich los war in den Achtzigern, den Jahren des großen Geldmachens und aberwitziger Erfolge. Politik und Ökonomie gaben ihr soziales Gewissen auf, der revitalisierte Kapitalismus begann damit, sich zu Tode zu siegen. Reagan in den USA, Thatcher in Großbritannien, Kohl in Westdeutschland. Die kritische Generation hatte abgedankt, es übernahmen Karrieristen. Karriere war kein Schimpfwort mehr. Das hört man dem nächtlichen Plastiktango der ehemaligen Hippie-Band an. Sie klingen sauber und optimistisch, die Bandmitglieder sind Mitte dreißig und arriviert, bereit für eine gesättigte Zukunft im Scheinwerferlicht weltumspannenden Erfolgs, ohne Melancholie. Ich höre sie mir gleich noch einmal an.


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