Ich war einmal, ich habe gelebt. Nun bin ich Rest. Ich bleibe lieber sitzen, ich bin unsicher auf den Beinen, lieber bleibe ich sitzen. Meine Begleiterin bringt mir etwas zu essen und zu trinken. Ich bin ihr dankbar, doch ich schäme mich auch. Daß ich einmal so wertlos erscheinen würde, bedachte ich spät. Was ist denn ein Mann ohne seinen legendären Stolz – bestenfalls noch ein Witz. Ich benötige einen Stock, meine Beine sind nicht mehr kräftig genug. Lange Krankheit, die Folgen, doch ich lebe. Meine Hände zittern, doch mein Geist ist ruhig. Ich war einmal wer. Ich verkehrte in den Kreisen. Namen, ich kann sie nennen. Hört ein Publikum mir zu, genieße ich das. Offiziell bin ich tot, auf mich nimmt niemand Bezug. Kein Kind beweint meinen Abschied, kein Enkel steht fragend am Grab. Ich stamme aus einem Krieg, in dem ich niemals war. Ich kämpfte eine Schlacht gegen die Niederlage. Ich habe immer verloren. Ich entstamme der Lüge und wurde deshalb nicht wahr. Die Schlacht ist gewonnen, die Jungen sind frei. Ich besichtige seit kurzem die heimischen Landschaften wie neu. Es ist gut, wenn ich schweige. Ich bemerke dann Dinge, die unser Denken verstellte oder nicht sah. Wir sind Kinder unserer Zeit, doch daß dieser Satz derart brutal in Geltung treten könnte, ahnte ich nicht. Vieles war nur Gefasel. Das sagen nun auch die Jüngeren, nachdem sie entlassen wurden aus der Haftungsgemeinschaft dieses ehrenrührigen Landes. Vieles war nur Gefasel, das sage auch ich. Es war wie gebündeltes Stroh, zusammengebunden zu einem wertlosen Rettungsring für die Passagiere dritter Klasse. Gefasel, um nicht abzusaufen. Daher komme ich, ich bin dort nicht mehr. Ich möchte jetzt sagen, was ich jetzt sagen möchte, doch ich sehe schon, die Zeit ist um.
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