Stille Nacht, der Mond nimmt ab. Ich sah ihn leicht verschleiert über den Dachfirsten der großen Mietshäuser, fast noch voll, aber fern und geheimnisvoll. Die Straßen wie leergefegt, kaum ein Auto, das gibt es um diese Uhrzeit sonst nie. Unnötig, die Fußgängerampel zu betätigen. Sie reagiert ja ohnehin zu spät. Wir stehen und warten dort wirklich nur für die kleinen Kinder, damit sie denken, wir seien Vorbilder. Jedenfalls sollen sie das denken, wünschen die Eltern. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es funktioniert. Als Kind blieb ich an der Ampel stehen, weil ich wußte, daß ich das so machen muß, da ich sonst überfahren werde. Ein Verstoß kam mir gar nicht in den Sinn, als ich so klein war, daß ich mit Mühe meinen Schulranzen tragen konnte. Daß Erwachsene oder Jugendliche trotz Rot über die Kreuzung liefen, beschäftigte mich schon, doch bezog ich es nicht auf mich. Ich dachte, daß sie Glück benötigten. Ich war damals froh, wenn es eine Ampel gab, die genau zeigt, wann man gehen und wann man warten muß. Die Straßen in der Kreisstadt waren breit und mehrspurig, wir waren klein, und die Eisdiele lag auf der anderen Seite des Verkehrs. Ich wollte heute nur zu meinem Spätkauf, um kühles Bier zu kaufen. Eis esse ich kaum noch. Morgen wird es ein letztes Mal heiß, sagen sie. Ich sollte zur Eisdiele gehen und drei Kugeln kaufen.
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