Van Morrison ist siebzig geworden, und alle Feuilletons gratulieren. Mann in Schwarz, dunkle Sonnenbrille, schwarzer Hut. Stämmig, untersetzt. Eine Stimme, als belle ein Saxophon. Launisch, mürrisch, divenhaft. Auf der Bühne ein Diktator, verzeiht Dilettantismus nicht, fordert die Bestform seiner Mitspieler. Gibt nichts von sich preis, außer in seinen Liedern. Sinnsucher, Glückssucher, Besessener. Meditationen in Gott, Beschwörung der heiligen Orte, des guten Geistes, der einmal alles umwob. Mystiker, Verzückter. Eine Zeitlang anfällig für die Lehren eines Lafayette Ron Hubbard, Inarticulate Speech of the Heart sogar mit Widmung. Was soll’s, Künstler irren gern und oft, wenn sie das Feld ihrer Stärke verlassen und ins Allgemeine abgleiten. Beste Alben zu nennen ist zwecklos. Hymns to the Silence vielleicht. Van Morrison habe ein Universum der Selbstbezüglichkeit geschaffen, heißt es sinngemäß in einer Kritik. Das ist gut gesagt. Darin Peter Handke, Henry Miller, Jack Kerouac und vielen Großen verwandt. Die Selbsterforschungen des George Ivan Morrison gehen sicher weiter. Der Tempel verträgt noch ein paar Anbauten, hier und dort wird ein Teppich ausgerollt, eine Wandmalerei erneuert. Ein stattliches Gebäude, gewidmet dem Blues, dem Soul, dem Folk, dem Jazz und den Erkundungsfahrten des Rock’n’Roll, der heiligen Seele.
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