Blutmond

Das Kennerspiel der Männer: Wein, Whisky, Musik, Automarken, Fußball, und natürlich: Frauen. Daher die zweite Strophe des Liedes der Deutschen, alles auf Deutsch gebogen, denn deutsch war die Sehnsucht und deutsch schlug das politisierte Herz. Politische Sehnsucht enttäuscht sich so leicht und so schwer. Himmelslande gibt es nicht. Morgens schreit der Hahn, abends jagt die Eule, dazwischen die Verrichtungen des Lebens und Überlebens, etwas zwischen jung und alt, Geburt und Tod. Als Zugabe die unendlichen Schönheiten. In dieser Nacht der Blutmond. Der Mond im Schatten der mächtigen Erde, langwelliges Licht, blutrot. Der Mond der Erde am nächsten. Da darf man schlafen, aber schöner ist es zu wachen und zu beobachten, ob alles gut geht da oben. Der nächste Blutmond in achtzehn Jahren. Ich wurde in einem Jahr mit Blutmond geboren, mir sagt das etwas. Ich werde wachen oder schlafen und mich wecken lassen. Ich führe ein Leben, oder es führt mich. Den Mond möchte ich in ihm nicht missen. Ich bin für ihn völlig uninteressant, wir alle sind ihm schnuppe. Doch entgeht niemand seiner Größe, seinem Einfluß, seinem Schein. Daß Menschen auf ihm gegangen sind, haben wir bis heute nicht begriffen. Was sollte man auch dort oben wollen? Fahnen aufstellen. Gesteine abbauen und herschaffen. Krater nach Berühmtheiten benennen und auswendig lernen lassen. Langweiliges Zeug, technisch schwierig zu bewerkstelligen, insofern anders interessant. Daß man es kann. Von der Kennerschaft der Männer kam ich auf den Mond. Er wirkt.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Blutmond

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert