Der Mond ist zwar fern, doch er ist nicht traurig. Er wirkt nur manchmal so. Er scheint ein Gesicht zu haben, den Kopf schräg zu halten. Er wechselt Farbe und Form und kann sogar verschwinden. Das fasziniert. Sein Einfluß auf die irdischen Geschicke sind umstritten. Mich zieht er an, andere läßt er kalt. Nachts gibt er Orientierung. Daß er ebenfalls in Bewegung sein muß, beruhigt. Anderen haben es die funkelnden Sterne angetan, die sie zu Bildern gruppiert finden und benennen können. Ich kann den Großen Wagen erkennen und über ihn die Himmelsrichtungen bestimmen, falls ich mich nachts einmal verlaufe. In der letzten Nacht sah ich über dem südlichen Horizont drei Sterne auf einer Linie wie Straßenlichter aufgereiht, vielleicht waren es auch vier. Nun suche ich, in welches Bild sie passen könnten. Die Linie wies ansteigend nach links. Verwirrende Ordnung am nächtlichen Himmel. Man sieht nur, was man weiß, las ich einmal. Der Himmel beweist es. Ich sehe eine Vielzahl strahlender Punkte. Unwillkürlich versuche ich sie zu ordnen. Das mißlingt mir, und schnell verliere ich die Geduld. Daß sie anwesend sind und gut aussehen, muß mir einstweilen genügen. Über den Mond weiß ich nichts Technisches. Er beschäftigt mich als desinteressierter Begleiter, dem ich ab und an eine alte oder neue Eigenschaft andichten kann. Manchmal grüße ich ihn, wenn ich um eine Straßenecke biege und er mich überrascht. Ein Wort wie Blutmond weckt seltsame Geister. Es klingt indianisch, aber auch nach Verhängnis, ritueller Reinigung und Neubeginn.
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