Das schottische Hochlandrind steht in seinem Pferch und erblickt die Besucher des Minizoos: Eltern mit Kindern, Kinder ohne Eltern, Erwachsene ohne Kinder, Rentner und Jugendliche. Sie stehen am Gatter und begutachten den Bullen mit dem Nasenring, der roten, wolligen Mähne und gigantischen Hörnern. Andere schlendern lediglich vorüber, möchten zu den Rehen, den Lamas oder den Enten weiter hinten. Manchmal ist ein wenig Geschrei unter den Menschen: wenn der Schnuller aus dem Mund gefallen ist oder eine andere Unannehmlichkeit ein Kleinkind quält. Ansonsten ist es bewegt, aber nicht unruhig. Die Leute kommen und gehen. Der Bulle aber bleibt stehen und schaut. Manchmal sitzt er auch und schaut, käut wieder, läßt sich betrachten, muß sich betrachten lassen, weiß genau, daß er nicht angreifen kann. Sie haben es ihm hübsch eingerichtet auf den Quadratmetern, die ihm exklusiv zur Verfügung stehen: ein Unterstand, eine Krippe, eine Tränke, ein Garten mit Zaun. Er lebt dort komfortabel, wenn man davon absieht, daß er nicht hinaus darf zu den anderen Wesen im Park, die frei herumlaufen dürfen, als seien sie etwas Besseres als er. Er ist stoisch, er erträgt diese Einschränkung seines Naturrechts. Dafür genießt er volles Wohnrecht und wird mit allem versorgt, was ein Bulle braucht. Er weiß, eines Tages wird ein weibliches Hochlandrind den Weg zu ihm finden. Besonders stolz ist er auf seinen Nasenring.
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