Anders als gedacht, Romantiker

Wenn einer so stolz und frei in die bunte weite Welt hinausmarschiert, wie das nur möglich ist, wenn man noch sehr jung und unerfahren ist, widerfahren ihm entsetzliche Demütigungen. Die vielleicht größte Überraschung besteht darin, daß sich „die Welt“ (was für ein pompöser Begriff) nicht um ihn schert. Und mag er noch so begabt und vielversprechend sein, die Dinge und Menschen scheinen sich abzuwenden, nichts anderes zu tun, als sich fortwährend abzuwenden. Er kann sich totlaufen in den Parks oder nächtens die Stadtviertel des Sumpfes erkunden – niemand hat gewartet, nichts bietet sich an, alles entzieht sich. Seine frische Jugend erschließt nichts, im Gegenteil.

Es beginnen die Jahre des tiefen Schmerzes, der auf zahlreichen Kränkungen, die nicht vergessen werden können, beruht. Das Hochfahrende und Angemaßte in seinem Wesen und seiner Art muß ausfiebert werden, ehe ein angemessenes eigenes Leben begonnen werden kann. Er hat sich an allem vergriffen, das ist die Wahrheit. Er meinte zu verstehen, doch zu schnelles Verstehen ist nicht Verständnis, sondern Nichtachtung. Mag sein, daß die Lehrer an der Schule recht einfältig waren. Mag sein, daß die Erwachsenen lebendige Enttäuschungen darstellten, alles in allem. Mag sein, daß er radikaler, tapferer und ehrlicher leben wollte, um aus dieser trüben Suppe herauszuschwimmen.

Eine Wanderung nach den Sternen beginnt mit einem Sturz. Da lag ein kleiner Stein im Weg, ehrfürchtiger Wanderer. Bedenke die Erde und die Irdischen. Erkenne, daß sie sich mühen. Deinen Wahn, das Große zu suchen und zu wollen, in Ehren. Gedenke jedoch auch des Kleinen, aus dem das Große sich zusammensetzt. Und was ist denn das Große, von dem du zu träumen scheinst? Doch wohl die Liebe. Also sollte es dir leichtfallen, angemessen zu leben inmitten der anderen. Verachtung oder Selbstüberhöhung sind Akte mißlungenen Bemühens, der Hast und eines gehetzten Denkens auf der Flucht. Sie münden in fortwährende Enttäuschung, die Sichtweise des nur.

„Wir suchen überall das Unbedingte, und finden immer nur Dinge.“ (Novalis, Blüthenstaub § 1)


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