Teilen oder für sich behalten

Manche freuen sich so leise, daß niemand es bemerkt. Erst Jahre später erfährt man davon, weil sie in einem unvorsichtigen Moment etwas sagen, das wie ein Geständnis wirkt. Ganz bezaubert geht man nach Haus und wundert sich erneut, wie wenig wir wissen von dem, was nicht gesagt wird. Als hätten wir uns daran gewöhnt, jede einzelne Wirklichkeit zu übersetzen und noch unser Herz auf der Zunge zu tragen. Was tun also diese Verschwiegenen, die im Geheimnis leben? Sie behalten für sich, und was sie dort halten, halten sie warm. Sie können sich auch nicht so leicht trennen und fürchten, daß das einmal Fortgegebene für immer verschwindet. Sodann haben die Wörter eine verräterische Seite, auch etwas Gemeines. Dagegen versucht die Poesie vorzugehen, mit knappem Erfolg. Andererseits soll man schenken und mit Liebe um sich werfen, wenn auch nicht wahllos. Ist ja genug da. Ich kann mich nicht entscheiden: die Verschwender gefallen mir ebenso gut wie die Stillen und Schweigsamen. Ganz allein an einem Ort sein, das Schönste erleben und niemandem davon erzählen? Dazu benötigt es eine Menge.


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