Alte Einträge gelesen. Sie sind nicht alt, ein paar Wochen älter nur als dieser kleine Text, der entsteht, da ich nicht schlafen kann. Mir ist wohl, wenn ich von der Jahreszeit, der Witterung und ein paar anheftenden Stimmungen oder Gedanken lese. Mir ist unwohl, wenn ich verstiegen klinge. Und doch werde ich mich weiter versteigen, verlaufen, verklettern. Nicht wegen der Taube auf dem Dach, sondern wegen der Aussicht. Ich war einmal schwindelfrei und stieg einen schmalen Grat hinauf zur Grabspitze. Das werde ich erneut tun, doch diesmal nur symbolisch, also zeichenhaft, also noch gefährdeter und gefährlicher. Damals war es ein Gipfel in den Alpen, diesmal ist es eine zarte Versuchung des Heiligen. Man wird sehen. Über Gräber werde ich zu schreiben haben und über Grabsteine. Ein Friedhof voller Lichter an einem bestimmten Abend des Jahres. Das ist ein Brauch, der über vieles hinwegtröstet, was Menschen sonst so treiben. Sie (wir) können ja schön, doch schon melden sich die Interessen. Ich möchte völlig interesselos werden, demnächst oder später. Dann ergibt sich endlich alles wie von selbst. Überschätztes Wollen, dummer Ehrgeiz. Einen Gipfel ersteigt man aus Lust, nicht um sich ins Gipfelbuch einzutragen oder Rekorde zu brechen. Deshalb mag ich die Sportler-Bergsteiger nicht. Sie sind leistungsfähige Idioten. Verschweigen lernen, das ist die Kunst. Zwischen ihr und mir stehen noch einige alberne Eitelkeiten. Ich erkenne sie lieber an, sonst bleiben sie mächtig. Ich kenne die Bescheidenen besser als mich selbst.
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