Manche Menschen sind von der mürrischen Art. Vererbt oder erworben — vermutlich beides. Manchmal rutscht ihnen eine Freude ins Gesicht, eher selten, in einem unbewachten Augenblick. Dann reißt die Kruste der Mißmut auf. Kurze Zeit später ist das repariert und sie befinden sich wieder in Sicherheit. Vermutlich wären sie anderen gern eine Freude und zögen es vor, von hellerer Gemütsart zu sein. Vielleicht trauen sie sich nicht. Ihr Pessimismus soll sie vor Enttäuschung schützen. Daß er es tut, darin liegt die Täuschung. Er produziert sie. Die Welt ist nämlich musikalisch, sie befindet sich in permanenter Schwingung. Die Freude teilt sich mit und breitet sich aus. Sogar im Norden, wo man ja vieles von dem, was woanders Leben heißt, übertrieben findet. Das Miesepetrige mancher Landstriche und ihrer Bewohner. Ein weites graubraunes Feld. Die Deutschlandkarte der schlechten Laune. Was fehlt diesen Menschen? Am Geld wird es nicht liegen, eher an Würde, wie mir scheint. Sie sprechen nicht, sie beschweren sich. „Mit uns kann man es ja machen.“ Als seien sie zu kurz gekommen, als habe man sie stets übergangen, als seien sie Mißratene. Das ist traurig.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.